Schimmelpilze und deren Sporen sowie Stoffwechselprodukte

In Innenräumen darf es weder direkt oder mikroskopisch sichtbare Schimmelbefälle noch Kontaminationen mit Pilzsporen oder Pilstoffwechselprodukten *1 geben. Die Schimmelpilzzahlen in der Raumluft, auf oberflächen, im hausstaub, in Hohlräumen, in Materialien… sollten unter denen im Freien bzw. im Bereich von unbelasteten Vergleichsräumen liegen. Die Schimmelpilzarten drinnen sollten nicht wesentlich von jenen draußen bzw. in unbelasteten Vergleichsräumen unterscheiden. Besonders kritische Pilze*2, z.B. Toxin-bildende, allergisierende oder bei 37 °C Körpertemperatur wachsende*3 dürfen nicht oder nur minimal nachweisbar sein. Dauerhaft erhöhte Material- und Luftfeuchten sowie kühle Oberflächentemperaturen sind zu vermeiden, da sie die Grundlagen für Pilzwachstum darstellen.

Jeder Auffälligkeit, jedem Verdacht und Hinweis auf mikrobielle Belastung ist nachzugehen, hierzu gehören: Verfärbungen und Flecken, mikroorganismen-typische Gerüche, feuchteindizierende Pilze*4, Bau- und Nässeschäden, Problemkonstruktionen, Hygieneaspekte, überdurchschnittliche Einträge von außen*5, Altschäden, Gebäudeanamnese, Ortsbesichtigung, Krankheiten der Bewohner, umweltmedizinische Ergebnisse…

SBM 2015 Richtwerte für Schlafbereiche

un-auffällig

schwach auffällig

stark auffällig

extem auffällig

Pilzbefall sichtbar – Ausmaß in cm²

0

0 - 50

50 - 5000

> 5000

Pilzbefall im Mikroskop sichtbar –

Hyphen, Sporenbildungsorgane, Sporen in cm²

keine

vereinzelt

viele

massenhaft

Schimmelpilze relativ pro m³ Raumluft* /m³

< außen

bis 100 mehr

bis 500 mehr

> 500 mehr

Einzelne Arten relativ pro m³ Raumluft* /m³

< außen

bis 50 mehr

bis 300 mehr

> 300 mehr

Schimmelpilze absolut pro m³ Raumluft* /m³

< 200

200 - 500

500 - 1000

> 1000

Schimmelpilze pro dm² Fläche* /dm²

< 20

20 - 100

100 - 200

> 200

Schimmelpilze pro Gramm Hausstaub* /g

< 500

500 - 2000

2000 - 10000

> 10000

MVOC Summe in ng pro m³ Luft ng/m³

< 200

200 - 1000

1000 - 10000

> 10000

MVOC Spezifische Einzelsubstanzen ng/m³

< 50

50 - 200

200 - 2000

> 2000

Wasseraktivität eines Materials aw

< 0,65

0,65 – 0,75

0,75 – 0,85

> 0,85

Luftfeuchte relativ am Material in % % r. F.

< 65

65 - 75

75 - 85

> 85

* Bei den Nährböden kultivierten Pilzen geht es um koloniebildende Einheiten (KBE) bezogen auf eine Bebrütungstemperatur 20-25 °C.

Sinnvolle und möglichst sichere Bewertungen und Quellenzuordnungen ergeben sich speziell bei Schimmelpilzen durch die sachverständige und situationsangepasste Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden bzw. das Zusammenführen diverser Ergebnisse und Eindrücke, in der Regel dagegen nicht aus Einzelbefunden.

Hinweise auf Innenraumquellen, -auffälligkeiten, -belastungen oder gesundheitliche Risiken können ergänzend zu den übergeordneten, wesentlichen Richtsätzen in den baubiologischen Richtwerten für Schlafbereiche in vielen Fällen unter anderem aus den obigen Angaben und Erfahrungen abgeleitet werden. Kritische Pilze wie Aspergillus, Stachybotrys… und/oder tiefgehende Durchwucherungen von Materialien sollten sensibler bewertet werden.

Detaillierte Bewertungen und Angaben: Umweltbundesamt „Schimmelpilz-Leitfaden“ und „Schimmelpilzsanierungs-Leitfaden“.

*1 Pilzstoffwechselprodukte z.B. Mykotoxine, MVOC, Glucane, Allergene (Proteine)

*2 Besonders kritische und Toxin-bildende Schimmelpilze wie bsp. Stachybotrys, Aspergillus, Alternaria, bestimmte Chaetomium-, Paecilomyces-, penicillium-, Trichoderma-Spezies

*3 Bei 37 °C Körpertemperatur wachsende und potentiell Infektionen hervorrufende Schimmelpilze wie bsp. Aspergillus, bestimmte Absidia-, Acremonium-, Fusarium-, Mucor-, Paecilomyces-, Rhizopus-, Trichoderma-Spezies

*4 Feuchte indizierende Schimmelpilze wie bsp. A) Acremonium, Aspergillus fumigatus, Aureobasidium pullulans, Chaetomium, Stachybotrys, Trichoderma oder Hefepilze für massive Nässe sowie b) Aspergillus versicolor, A. penicilloides, A. restrictus, Eurotium oder Wallemia sebi für leicht erhöhte Feuchte

*5 Überdurchschnittliche Pilzeinträge von außen, z.B. durch Mülldeponien, Recyclingbetriebe, Kompostierungs- und Schredderanlagen, staubintensive Bau-, Abriss-, Feld- und Gartenarbeiten…